
Wie fühlt es sich an, wenn eine Klinikleitung in einer Pandemie zwischen medizinischer Ethik, Angst und politischer Realität entscheiden muss? Was passiert hinter den Türen, wenn Reformen verhandelt werden, die unser Gesundheitssystem von Grund auf verändern? Und was bleibt, wenn man als Arzt und Manager versucht, Menschlichkeit in Zahlen zu übersetzen?
Dr. med. Thomas Weiler kennt beide Seiten: die des Arztes am OP-Tisch und die des Geschäftsführers am Verhandlungstisch. Der gebürtige Rheinland-Pfälzer leitet seit fast zwei Jahrzehnten die Starnberger Kliniken – und erlebt hautnah, wie sich die Krankenhauslandschaft verändert. Als Anästhesist und Intensivmediziner denkt er in Herzschlägen, als Manager in Systemen. Diese doppelte Perspektive macht ihn zu einem ungewöhnlich klaren Beobachter einer Branche im Wandel.
Dr. Weiler wird berichten über die Medizin zwischen Fürsorge und Wirtschaftlichkeit, über Mut in Krisen und über Chancen, die in der aktuellen Krankenhausreform liegen könnten – auch für Seefeld. Ein Abend für alle, die verstehen möchten, was in den Krankenhäusern wirklich auf dem Spiel steht.
Die Reihe ‚Mitbürger im Gespräch‘ von Räsonanz Seefeld hat das Ziel, Mitbürger sowohl als Person als auch in ihrer Funktion den anderen Mitbürgern bekannt(er) zu machen.
Der Hechendorfer Mitbürger Dr. Thomas Weiler leitet als Geschäftsführer den Verbund der Starnberger Kliniken, kommt aber als Anästhesist und Notfallarzt aus der praktischen Medizin.
Dr. Weiler hat einen bewegten Werdegang. Aufgewachsen in Oberwesel im Rheintal bei einer alleinerziehenden Mutter. Später zusammengekommen mit seinem Vater, der es in den Vereinigten Staaten aus bescheidenen Anfängen mit Erfindungsreichtum und Beharrlichkeit zu einem beachtlichen Vermögen gebracht hat. Studium an der LMU München, in Mainz und in Kalifornien. In der praktischen Tätigkeit immer mehr Schwerpunkt auf Managementaufgaben mit weitreichendem Verantwortungsbereich. Und schließlich – nicht zuletzt wegen der Attraktivität des Standorts – in Starnberg gelandet. Seine Funktion als Geschäftsführer eines Klinikverbunds in einem sich neu ordnenden Gesundheitswesen ist zwangsläufig politisch. Überregional ist er darüber hinaus auch Landesvorsitzender der Klinikmanager in Bayern.
Nach dem Tod des Vaters kümmert er sich parallel um die gut ausgestattete Stiftung, die sein Vater in den Vereinigten Staaten hinterlassen hat. Deren Schwerpunkt liegt in der Förderung medizinischer Forschung mit Ergebnissen, die auch den Fortschritt in Deutschland befruchten können.
Während der Corona-Pandemie war Dr. Weiler einer der zentralen Personen bei der Krisenbewältigung. Der Einstieg war eher zufällig: der Patient 0 in Deutschland mit seinen Angehörigen kam aus dem Landkreis. Früh wurde Dr. Weiler in die Entscheidungsprozesse insbesondere auf Landesebene eingebunden und hat die Maßnahmen – sowohl unter medizinischen als auch unter Ressourcenmanagementaspekten – wesentlich mitbestimmt und öffentlich vertreten. Regional hat er sich um das Management der Landkreise Starnberg, Fürstenfeldbruch, Landsberg und Dachau gekümmert. Nach seiner Einschätzung hat das Management in Deutschland unter den gesellschaftlichen und auch kulturellen Rahmenbedingungen sehr gut funktioniert. Im Rückblick und auf der Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse kann man sicher einiges besser machen. Dazu gehört etwa der Umgang mit den Schulen.
Im Landkreis Starnberg sterben mehr Menschen als geboren werden. Keine Überraschung! Überraschend ist allerdings, dass im Jahr 2025 nur 985 ‚Neu-Starnberger/-innen‘ geboren wurden, es in den Starnberger Kliniken aber 3.000 Geburten gab. Durch Zuzug bleibt bei leicht sinkender Bevölkerungszahl der Altersdurchschnitt stabil, mit 45,8 Jahren leicht über dem bayerischen Wert. Das beeinflusst natürlich die Art der Krankheiten, die gehäuft zu betreuen sind: Bluthochdruck, Arthrose, Herzerkrankungen, Krebs und Kombinationen davon. Stärker auf die Struktur wirkt das Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG), auch in seiner für Flächenstaaten angepassten Version vom 05.03.206.
Für die Zukunft der stationären Versorgung der Region Starnberg wurde ein Gutachten erstellt. Darin werden mehrere Ziel-Szenarien beschrieben und als angemessene Option der Neubau eines zentralen Hauses in der Mitte des Landkreises empfohlen. Das Gutachten hatte als wesentliche Vorgabe die Steigerung der Effizienz bei Sicherung und Erhöhung der Behandlungsqualität. Durch die geänderte Bedrohungslage gibt es aktuell eine Höhergewichtung der Resilienz. Das kann Auswirkungen auf die Entscheidung und den Entscheidungsprozess haben. Klar ist aber, dass unter anderem aufgrund der Renovierungszyklen der bestehenden Krankenhausinfrastruktur eine zeitnahe Entscheidung der zuständigen Landesministerien ansteht.(JH)